Lückenlose 6-jährige Ermittlung von Umweltparametern für Stadtplanung, Natur- und Klimaschutz

Von 1992 an wurden durch die LUP für die Landeshauptstadt Potsdam auf Basis von Fernerkundungsdaten alle sechs Jahre Daten zu Realnutzung (Biotopen), Versiegelung und Grünvolumen erfasst. Dabei wurden höchstauflösende Fernerkundungsdaten in Verbindung mit visueller Interpretation und automatisierten Regressionsbaummodellen verwendet, die die Ableitung dieser Parameter mit hoher Genauigkeit sicherstellen. Im Jahr 2016 wurden erstmals multitemporale Sentinel-2- und stereoskopische WorldView-3-Daten einbezogen.

Das Verfahren bietet die Möglichkeit, die städtebauliche Entwicklung detailliert nachzuvollziehen und funktionale Zusammenhänge städtebaulicher Prozesse zu verstehen. Ansprüche an eine wirkungsvolle Klimaanpassung im Sinne der Reduktion von Hitzestress können so besser definiert werden. Die Kontinuität und der hohe Detaillierungsgrad des städtischen Umweltmonitorings sind zudem geeignet, weitere räumliche Analysen zu verifizieren.

Die Stadt Potsdam verfügt damit über ein etabliertes Umweltmonitoring, in dessen Rahmen Indikatoren wie Biotoptyp, Versiegelungsgrad, Grünvolumen und Biotopwert in einem 6-jährigen Zyklus flächendeckend erfasst werden. Den Auswertungen für die Zeitschnitte 1992, 1998, 2004, 2010 und 2016 liegen höchstauflösende optische Luft- bzw. Satellitenbilder zugrunde. Da sich die räumlichen und spektralen Eigenschaften der Fernerkundungsdaten mit den Jahren stark verändern können, ist die Wahl der Analysemethoden sehr wichtig, um für alle Zeitpunkte vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Aus diesem Grund wurden für die Erhebung des Versiegelungsgrades und des Grünvolumens Regressionsbaummodelle verwendet, die mit einer Vielzahl unterschiedlicher Eingangsparameter umgehen können und auf Basis der einzelnen Biotopflächen zu sehr genauen Ergebnissen führen. Damit liegt für alle Biotopflächen der Stadt Potsdam eine lange Zeitreihe vor, anhand derer die Flächeninanspruchnahme und wichtige Entwicklungstendenzen evaluiert werden können.

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Literatur:

Frick, A. & S. Tervooren (2019): A framework for the long-term monitoring of urban green volume based on multi-temporal and multi-sensoral remote sensing data. Journal of Geovisualization and Spatial Analysis  (2019) 3: 6. https://doi.org/10.1007/s41651-019-0030-5

Frick, A. & S. Tervooren (2018): Anwendung von SENTINEL-2- und Stereo-WorldView-3-Daten für die Fortführung des Umweltmonitorings der Landeshauptstadt Potsdam. In Meinel, G., Schumacher, U., Behnisch, M. & T. Krüger (Hrsg.): Flächennutzungsmonitoring X. IÖR Schriften. Band 76. Rhombos Verlag. Berlin

Tervooren, S. & A. Frick (2010): Bodenversiegelung, Grünvolumen, Biotopwertigkeit – Praktische Erfahrungen des Umweltmonitorings in Potsdam. In Meinel, G. & U. Schumacher (Hrsg.): Flächennutzungsmonitoring II. Konzepte-Indikatoren-Statistik. IÖR Schriften. Band 52. Rhombos Verlag. Berlin